Leserbrief von Herrn Dr. Christean Wagner an ideaSpektrum 43.2020 zum Beitrag „Warum das christliche Menschenbild so wichtig ist“

Dr. Christean Wagner 35094 Lahntal, den 27. November 2020

In Volker Kauders jüngst erschienenem Buch „Das hohe C“ beschwört der Verfasser das christliche Menschenbild. Seine diesbezüglichen Feststellungen sind in der Union unbestritten. Auffällig ist seine Polemik gegen das Konservative. Er erblickt in der „Forderung nach einer konservativen Ausrichtung der Christdemokraten … eine problematischere Dynamik“. Er unterstellt, dass Konservative eine Begründung dessen schuldig blieben, „was konservativ eigentlich bedeuten soll“. Er behauptet, dass das Konservative „eine Chiffre für die vermeintlich gute alte Zeit“ sei und dass der Konservative „Vergehendes bewahren“ wolle.
Mit guten Gründen bekennt sich das Grundsatzprogramm der CDU in seiner Präambel u.a. ausdrücklich zu einer wertkonservativen Ausrichtung. Dies ignoriert Kauder ebenso wie die unbestrittenen Überzeugungen der Konservativen:
„Konservativ ist nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt“ (Antoine de Rivarol). Der Konservative verteidigt nicht das Bestehende, sondern das Bewährte. Der Konservative wägt ab: Das Neue wird nur dann an die Stelle des Alten gesetzt, wenn es sich als überlegen erwiesen hat. Aufgabe des Konservativismus heute ist es, auf der Grundlage christlicher Orientierung Botschaften zu senden zur Bedeutung von Verantwortung und Freiheit, zur Leitkultur, zur Sozialen Marktwirtschaft, zur inneren und äußeren Sicherheit, zur Familie, zum Lebensschutz, zum Umwelt- und Naturschutz und zum Patriotismus.
Kauder wendet sich vom Konservativen ab und liefert hiermit ungewollt eine Begründung dafür, dass die Union bei den letzten vier Bundestagswahlen dreimal das jeweils schlechteste Ergebnis nach 1949 hinnehmen musste. Kauder hat leider, leider einen Beitrag dazu geleistet, dass konservative Wähler sich in der Union zunehmend heimatlos fühlten und sich Alternativen suchten.

Mit freundlicher Genehmigung des Autors